Rehabilitationsklinik Saulgau
Fachklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie (BGSW)
 
 
 
 

REHAKOLUMNE F&W

7 Wochen ohne

Berlin/Isny-Neutrauchburg - Die Fastenzeit – `7Wochen ohne´ lautete das Motto einer der großen Landeskirchen - liegt gerade hinter uns. Viele von uns widmeten die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Gründonnerstag dem Verzicht. Hatten Sie sich in diesem Jahr auch gefragt, wovon wir fasten sollen - 40 Tage ohne was?
 
Hier finden Sie den Beitrag aus Führen und Wirtschaften 4/2021 als PDF zum Download
  
  
Kolumne F&W, PDF-Version, 1 MB 
  
  
 
Denn viele Vergnügungen waren ja nicht übrig geblieben nach zwölf Monaten Coronapandemie. Schaut man in die Politik, so ist offensichtlich, dass auch über die Fastenzeit hinaus erfolgreich Verstand gefastet wird. In Wahlkampfzeiten sind vernunftgetragene Entscheidungen noch weniger populär als während des Restes der Legislaturperiode. Eben waren wir noch eine große Coronafamilie, nicht nur Krankenhaus und Rehabilitation, sondern öffentlich, frei gemeinnützig und privat – alle eins, als es um Betten für Pandemiepatienten ging. Aber jetzt ist Fastenzeit, was die gesundheitspolitische Vernunft betrifft. Schaut man in die aktuellen Wahlprogramme, so scheinen sich alle Politiker einig: Krankenhäuser müssen für die Zukunft gerüstet und dafür am besten die Krankenhauspolitik reformiert werden.   
  
Wie das geschehen soll und welche Rolle die gerade noch viel beschworenen Trägervielfalt spielt, da haben zum Beispiel Infrastruktursozialisten genaue Vorstellungen: „What ever it takes“ titeln plötzlich große deutsche Magazine ganz in diesem gedanklichen Schmalspurfahrwasser, unterstellen Raffgier, wittern Subventionsbetrug bei DEN PRIVATEN. Gern stimmen Kostenträger in diese Tonlage ein und beklagen, dass die Solidargemeinschaft durch DIE PRIVATEN benachteiligt werde. Denn spätestens zum Ende des ersten Quartals lagen die Zahlen für das zu Ende gegangene Geschäftsjahr auf dem Tisch.   
  
Schnell wurde angemahnt, dass DIE PRIVATEN im letzten Jahre ihre Nettoerlöse angeblich unverhältnismäßig steigern konnten. Dass die „Blümchenreha“ Corona-Subventionsmilliarden einsackte. Keine Verluste machte. Ja, darauf ist Verlass bei der öffentlichen Meinung: eine gute Rehaklinik, ein anständiges Krankenhaus ist in der Bundesrepublik nur, wer rote Zahlen schreibt. Es wird im deutschen Gesundheitswesen nicht gern gesehen, dass man privat solide wirtschaftet und effizient das Geld der Beitragszahler einsetzt. Aber wollen wir wirklich glauben, dass die (Reha)Kliniken die beste Versorgung anbieten, die die größten Verluste schreiben?  
  
Immerhin, was die Verluste betrifft, können wir für die „Blümchenreha“-Kliniken gesichert feststellen: Die Doppelbelastung aus Umsatzrückgang durch fehlende Patienten im letzten und in diesem Jahr sowie Kostensteigerung durch die aufwendigen Corona-Sicherheits- und Hygienemaßnahmen konnten durch die Regierungshilfen tatsächlich allerhöchstens nur zum Teil kompensiert werden. Angeblich fließen große Summen, die sich in der Realität jedoch wie Dauerfasten oder Nulldiät anfühlen: Rückzahlung oder Verrechnung von Mitteln aus Rettungsschirm droht den Rehakliniken, die ohnehin bestenfalls die dritte Geige im SodeG spielen.   
  
Warum wir noch nicht pleite sind? Weil wir Privaten Instandhaltung und Investitionen auf fast Null fasten und uns trotzdem genau überlegen, wie wir Abläufe kostengünstiger, zum Beispiel digitaler gestalten können.   
  
Immerhin, zwei Landtagswahlen sind überstanden, doch die der Bundestagswahlkampf nimmt gerade erst Fahrt auf. `7 Wochen ohne´ sind vorbei – aber vor uns liegen noch fast sieben Monate ohne vernünftige Entscheidungen, wenn das Verstandsfasten unter Politikern Schule macht.   
  
 
Artikel aus: F & W 4/2021 
Veröffentlicht am: 04.04.2021  /  News-Bereich: News des Klinikverbundes
Artikel versenden
Artikel drucken